{Lost Place in Brandenburg} Die “Verbotene Stadt” in Wünsdorf-Waldstadt

  • Bereist im Sommer 2017.

  • Enthält Werbung. Dieser Blog-Beitrag entstand im Zuge einer unbezahlten Pressereise zu der ich vom Tourismusverband Fläming eingeladen wurde.

Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf

Mit strengem Blick schaut Lenin über den leeren Appellplatz in die Ferne. Sein steinernes Antlitz ist verwittert und mit Flechten überzogen. Ein Täubchen versucht auf seinem Kopf zu landen.

Von den Gebäuden im Hintergrund bröckelt der Putz, der Platz ist mit großen Schlaglöchern übersät und die Platten der Freitreppe sind wüst verschoben. Die glanzvollen Zeiten sind für Lenin hier vorbei. Trotzdem weht noch immer ein Hauch von Russland über das große Gelände der “Verbotenen Stadt” in Wünsdorf.

Langsam schlendere ich über das riesige Areal der “Verbotenen Stadt Wünsdorf”. Überall auf dem großen Militärgelände stoße ich auf heroische Wandmalereien und kyrillische Schrift, Hinterlassenschaften der letzten Bewohner, die fast über die mehr als hundertjährige Geschichte des riesigen Lost Places in Brandenburg hinwegtäuschen.

Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf

Dabei reicht die Geschichte des Militärstandortes bis in die Kaiserzeit zurück, in der die ersten Kasernen, Übungsplätze und eine Turnschule entstanden. So wurden hier bereits 1910 erste Militärgebäude errichtet. Dazu gehörte auch das “Halbmondlager”, in dem mehr als 30.000, meist muslimische, Kriegsgefangene interniert und den Berliner Bürgern als Attraktion vorgeführt wurden.

Später wurde das Gelände von den Nazis zu einem der wichtigsten Nachrichtenzentren und Standort des Oberkommandos des deutschen Reichs ausgebaut und die vielen Sportstätten wie z. B. das Schwimmbad, der Fechtsaal und die Reithalle für die Ausbildung von Unteroffizieren genutzt.

Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf

Ein Hauch von Russland in Brandenburg

Nach dem 2. Weltkrieg zogen bis zu 60.000 sowjetische Soldaten auf das Gelände und dienten in den riesigen unterirdischen Bunkeranlagen. Wünsdorf wurde zum größten sowjetischen Militärstandort außerhalb der Sowjetunion, der wegen der militärischen Bedeutung strikt von der Bevölkerung und der Umgebung abgeschottet war.

Mitten in Brandenburg entstand hier die größte, vollkommen autarke, russische Stadt außerhalb der Sowjetunion mit eigenen Schulen, Geschäften und Fabriken. Es verkehrte sogar täglich ein Zug zwischen Wünsdorf und Moskau.

Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg

Mit dem Einzug der Russen änderte sich die Funktion von vier Gebäuden komplett. Statt der Leibesertüchtigung stand nun Kultur und Vergnügen an erster Stelle. Viele der Sportstätten wurden zu kleinen und großen Theatern oder Kinosälen umgebaut und der große Sportplatz auf dem Hof in einen Park umgewandelt. So wurde aus der ehemaligen Sportschule das wichtigste und größte Vergnügungszentrum der Roten Armee in Deutschland.

23 Jahre nach Abzug der letzten Soldaten aus Wünsdorf stehe ich nun im großen Theatersaal im “Haus der Offiziere”. Zum Greifen nahe scheint mir die Geschichte hier, während ich die dick gepolsterten, roten Sitze betrachte und geistesabwesend über den schweren Vorhang streiche.

Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg

Ein paar Meter weiter brauche ich schon viel mehr Fantasie, um mir die nun leeren, langen Gänge zu früheren Zeiten vorzustellen. Ich laufe von einem leeren Zimmer zum nächsten. Möbel gibt es hier schon lange nicht mehr, dafür stoße ich immer wieder auf Wandmalereien und alte Plakate, die mich an die früheren Bewohner erinnern, die zu Tausenden in diesen Gebäuden gelebt haben.

Am liebsten möchte ich mit meiner Kamera jeden Winkel des riesengroßen Komplexes erkunden. Die morbide Atmosphäre in Lost Places, das warme Licht, in dem Staubkörner tanzen, und das Kribbeln im Bauch, das sich beim Erkunden ganz automatisch einstellt, fesseln mich immer wieder aufs neue.

Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
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Legal im Lost Place?

Plötzlich stehe ich im großen Schwimmbad. Hier hat seit 1994 niemand mehr seine Bahnen gezogen. Seit dem steht die “Verbotene Stadt” in Wünsdorf leer und wartet auf Investoren. Heute ist die “Verbotene Stadt” ein (wenn nicht sogar der spannendste) Lost Place in Brandenburg und ein toller Geheimtipp für alle, die abseits von Touristenrummel und ausgetretenen Faden spannende, neue Fotomotive suchen.

Keine Angst, dafür müsst ihr nicht in die Häuser einbrechen. Den Lost Place kann man auf den Fototouren, die go2know regelmäßig anbietet, ganz legal erkunden.

So habe ich heute die Gelegenheit, zusammen mit anderen Fotografen, die Häuser auf eigene Faust völlig frei zu entdecken und nach Herzenslust und vor allem in aller Ruhe zu fotografieren. Nebenher erzählt der anwesende Guide immer wieder spannende Geschichten und verrät die besten Fotospots, was bei dem riesengroßen Gelände Gold wert ist.

Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
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Safety first!

Die „Verbotene Stadt“ ist ein richtiger Lost Place, achtet deshalb beim Fotografieren unbedingt auf eure Umgebung! Guckt also, trotz größter Fotoverzückung, auch mal über eure Kamera hinweg und achtet auf den Boden und eure Teammitglieder! Es gibt genug Gründe warum man vor Beginn der Tour unterschreiben muss, dass man für sich selbst haftet. Tretet im Zweifel lieber auf große Holzbohlen als auf dünne Bretter, klettert auf keine wackeligen Konstruktionen und hört auf euren gesunden Menschenverstand. Dann steht dem Abenteuer nichts im Weg.

Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg
Lost Place "Verbotene Stadt" Wünsdorf Brandenburg

Gut zu Wissen

Ausrüstung:
Taschenlampe (es gibt viele stockfinstere Gänge, die erkundet werden wollen)
robuste Kleidung, die dreckig werden darf
Verpflegung
Handy (für den Notfall)
und natürlich eure Kameraausrüstung

Touren:
Die Touren werden regelmäßig von go2know durchgeführt, informiert euch am besten hier, wann die nächsten Termine anstehen.

Ausflugsziele im Umland:
Zossen: Bauten, Bunker und Bücher
Wind im Haus – die Scheunenwindmühle in Saalow
24 Stunden Luckenwalde

Die “Verbotene Stadt” in Wünsdorf habe ich während einer Bloggerreise durch den Fläming zusammen mit Lu, Inka, Tobias, Antje und Flow, Lisa und Katha besucht. Meine Meinung und meine Begeisterung sind wie immer meine höchsteigene.

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Noch mehr Inspiration für deine Reise nach Brandenburg findest du in meinem Buch!

In unserem Reiseführer „52 kleine & große Eskapaden Fläming, Niederlausitz und Spreewald: Ab nach draußen!“ nehmen Inka Chall und ich dich mit auf 52 besondere Touren. Entdecke mit uns durch schmucke Kleinstädte und Dörfer und wandere mit uns durch die Natur. Wir verraten dir unsere Lieblingsplätze und Herzensorte südlich von Berlin.

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Laura Schneider erkundet geheimnisvolle Orte

Immer auf der Suche nach geheimnisvollen Orten …

Autorin
Laura Schneider

Laura Schneider ist das Gesicht hinter Herz an Hirn. Sie schreibt über Herzensdinge. Dinge die man leider viel zu oft verpasst, weil man zu viel über sie nachdenkt, sie einem zu groß, zu peinlich oder zu anstrengend erscheinen. Das sind aber genau die kleinen Alltagsabenteuer die glücklich machen und einem einen wohligen Schauer über den Rücken jagen. Mit „viel Spaß inner Backe“ macht sie sich auf die Suche nach dem Glück. Das findet sie auf Reisen, in gutem Essen, beim Werkeln oder Lesen.